Möglichst agil bitte! Was heißt das eigentlich?

Adrian Weiler

Adrian Weiler

Geschäftsführer INFORM GmbH

Der Traum eines jeden Unternehmers: Zufriedene Kunden. Der Weg dahin führt immer häufiger über individuell gefertigte Produkte, die möglichst sofort, zu niedrigen Kosten geliefert werden. Dabei darf der Unternehmensgewinn nicht außen vor, die Wettbewerbsfähigkeit nicht auf der Strecke bleiben. Eine Wertschöpfungskette muss daher möglichst anpassungsfähig sein. Aus diesen Gründen raten viele Berater, Medien und Unternehmen seit einiger Zeit zu Agilem Management.

Doch wenn ein Fachterminus zu so großer Bekanntheit gelangt, lohnt sich häufig ein Blick auf seine Bedeutungsgeschichte sowie die unterschiedlichen Interpretationen, die im Laufe der Zeit an den Begriff herangetragen werden. Was also bedeutet Agilität?

Schnell und flexibel im Management

Lateinisch „agilis“ steht für: „von großer Beweglichkeit zeugend; regsam und wendig.“ Im Kontext der Wirtschaft sprechen wir spezieller von der „Fähigkeit einer Organisation, flexibel, aktiv, anpassungsfähig und mit Initiative in Zeiten des Wandels und Unsicherheit zu agieren“.

Dass aufwendig, linear geplante Prozesse mit abgeschlossenen Phasen im klassischen Projektmanagement zu großen Problemen führen können, wenn zu Beginn eines Projekts noch nicht alle Schritte exakt planbar sind, wird bereits seit den 1990er Jahren angeregt diskutiert. Damals fasste das Konzept einer „Business Agility“ erstmals im Bereich der Softwareentwicklung Fuß. Der internationale Wettbewerb, kürzer werdende Produktlebenszyklen, stärker schwankende Kundenanforderungen und disruptive Technologien zählen damals wie heute zu den weit verbreiteten Ursachen dafür, warum Unternehmen schnell und flexibel auf Veränderungen in Projekten reagieren müssen. 

Produktvielfalt, Losgröße 1, individuelle Leistungen

Unter dem Stichwort „Agile Softwareentwicklung“ machte die erste Sammlung heute standardisiert angewandter agiler Methoden in Managementkreisen ihren Anfang. Agilität ist aber für den Erfolg vieler unterschiedlicher Branchen und Unternehmensbereiche relevant und ein aktuelles Gesprächsthema gegenwärtiger Entscheider. So findet der für Veränderungen aufgeschlossene Manager beispielsweise Ratgeberbeiträge über Agilität als wettbewerbsentscheidenden Faktor im Personalmanagement oder Agilität als Führungskultur. Letzterer zitiert eine Change-Management-Studie des Beratungsunternehmens Kienbaum, laut der lediglich 15 Prozent der deutschen Unternehmen agil genug sind, um sich schnell auf neue Bedarfe ihrer Kunden einstellen zu können.

Doch wie lässt sich konkreter fassen, mit welchen Maßnahmen ein Unternehmen jene so wichtige Anpassungsfähigkeit erlangen kann? Ansätze hierfür finden sich im immer wichtigeren Supply Chain Management, das Typologien für verschiedene mögliche Ausrichtungen einer Wertschöpfungskette hervorgebracht hat. Unter diesen wird häufig die sogenannte „agile Supply Chain“ als ein besonders erstrebenswertes Modell ausgewiesen, das in der Lage sein soll, hohe Produktvielfalt, variable Stückzahlen sowie individualisierte Leistungen bis hin zu Losgröße 1 bei kurzen Durchlaufzeiten und niedrigen Kosten steuerbar zu machen. Doch bei der hohen Komplexität heutiger Wertschöpfungsketten, bei denen die einzelnen Bestandteile eines Produkts oft tausende Kilometer über den Globus zurücklegen, wären effektiv geplante, agile Prozesse ohne moderne IT-Systeme gar nicht möglich.

Intelligente Optimierung – natürlich zielgerichtet

Immer dann, wenn wichtige Fertigungsteile fehlen und die Produktion zu erliegen droht, eine Signalstörung den Zugverkehr lahmlegt, Flugzeuge nicht pünktlich starten können, Transportspitzen die rechtzeitige Abfertigung von Schiffen gefährden, Lieferengpässe aufgrund von Nachfrageschwankungen drohen oder Kreditkartentransaktionen Auffälligkeiten aufweisen, werden sich nur die Unternehmen erfolgreich behaupten, die reaktionsschnell auf diese unerwarteten Störungen reagieren können. Egal welchen Prozess ein Unternehmen agiler gestalten möchte, IT-Systeme bieten punktuell einsetzbare Werkzeuge, um zielgerichtet dort zu optimieren, wo Transparenz und Agilität wettbewerbsentscheidend sind. Damit bieten sie jedem Unternehmen den exakt passenden Ansatzpunkt. Unabhängig davon, ob es um die Agilität in einem einzelnen Prozess oder um eine insgesamt agile Supply Chain geht.

So hat sich beispielsweise die Heinrich Georg GmbH Maschinenfabrik im Kreuztal für intelligente Optimierung durch ein Add-On-System entschieden. Denn im Bereich Sondermaschinenbau sind Einzelstücke oder Kleinstserien üblich, die mit den gängigen, für die Massenproduktion optimierten ERP-Systemen nur ungenügend erfasst werden. Das genutzte ERP-System bildet Stücklisten so ab, dass beim Montagestart die Verfügbarkeit aller Positionen gegeben sein muss. Da sich die Standmontage von Sondermaschinen aber über Tage oder Wochen hinzieht, können viele Teile auch später zufließen.

Darum mussten die Mitarbeiter die Feinplanung früher per Whiteboard, Excel und viel Teamkommunikation erledige, um die Materialflüsse zu organisieren und mögliche Probleme festzustellen. Inzwischen überwachen intelligente Entscheidungs-Algorithmen alle Fertigungs- und Beschaffungsprozesse, damit während der Montage alle notwendigen Teile, Materialien und Ressourcen im rechtzeitig zur Verfügung stehen. Operativ kritische Fehlteile werden bereits Tage oder Wochen vorher angezeigt, so dass die Monteure und Disponenten frühzeitig reagieren können. 

Umplanung sinnvoll? Agile Algorithmen geben Antwort

Durch die blitzschnell errechneten Entscheidungsoptionen auf Basis von agilen Algorithmen aus Operations Research (OR) und Fuzzy Logic kann ein Unternehmen schneller auf Änderungen reagieren und ist dem Wettbewerb damit häufig voraus. Treten Störungen innerhalb der Betriebsabläufe auf, schlagen die Systeme automatisch Handlungsalternativen vor und berechnen, ob sich eine situative Umplanung für das Unternehmen lohnt. Damit sind Add-On-Systeme ein optimales Werkzeug, um Agilität zielgerichtet in den Geschäftsbereichen umzusetzen, in denen es für ein Unternehmen entscheidend ist.


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